IGEP e.V.: Kulturabend 2016: Die Goldene Straße


Vor 10 Jahren hörte ich zum ersten Mal einen Radiobeitrag über die Goldene Straße und dass der Versuch gemacht würde, diese alte Handelsstraße, die von Prag nach Nürnberg und weiter nach Frankfurt führte, durch Sandsteinstehlen zu markieren und so ins Gedächtnis zurückzurufen. Kurz danach waren wir zu Wandertagen im Grenzbereich in Böhmen zwischen Tachau/Tachov und Bärnau unterwegs und ich erinnerte mich bei dem Namen Tachau an den Radiobericht.
Wir machten uns durch Wald und Sumpf auf die Suche nach den beiden Stehlen und tatsächlich fanden wir sie schließlich am Rand von Tachau und in einem Hohlweg bei Bärnau.
Inzwischen feiert der „Förderverein Goldene Straße“ schon sein 20. Jubiläum und die Zahl der Stehlen, sogenannte „Meilensteine der Zeit“ hat sehr zugenommen.

Was aber ist die „Goldene Straße“?
verweis Der Name ist schriftlich nachgewiesen im Bericht des Bärnauer Pflegers Hans von Uttelhofen 1513: „königliche stras, die von Brage auß gen sollt (und) die Gulden Straß genannt ist, die auf Nurmberg zu geth“ .
Nach seiner ersten angefochtenen Wahl zum römische-deutschen König 1346 war Karl auf dem Rückweg von Bonn nach Prag der Weg durch Franken verwehrt worden. Diese Erfahrung brachte ihn dazu, sich einen sicheren Weg von Prag nach Frankfurt und bis in sein Stammland Luxemburg schaffen zu wollen. Zunächst kaufte er von dem hochverschuldeten Wittelsbacher Gebiete zwischen Böhmen und Nürnberg, die er Neuböhmen nannte. Über Tachau, Bärnau, Weiden, Sulzbach und Lauf führte die Straße bis nach Nürnberg. Für die Sicherung der nächsten Etappe verhandelte Karl mit dem Würzburger Bischof Albrecht von Hohenlohe, der ebenfalls verschuldet war und interessiert, einige Orte zu verkaufen. Markt Einershein, Iphofen, Mainbernheim, Kitzingen und Heidingsfeld wurden Stationen auf der Goldenene Straße, die dann weiter fortgesetzt wurde über Homburg, Kreuzwertheim, Aschaffenburg, Seligenstadt nach Frankfurt.
Am 1. Januar 1367 beurkundet Karl IV in Heidingsfeld : „Zur Wahl und Krönung sollen die Böhmenkönige in Zukunft auf dieser Straße ziehen“...

Diese Urkunde war notwendig geworden, weil der bequemere und kürzere Weg bei Strafe nicht über Pfraunberg/Přimda führen sollte, durch das Gebiet der mächtigen Grafen von Leuchtenberg (und Raubritter) sondern auf königlichem Grund bleiben.
Die Goldene Straße hat nicht nur geographische Bedeutung. Sie ist auch Ausdruck für historischen Wandel. Während der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation zur Stauferzeit in Burgen und Pfalzen zu verweilen pflegte, sucht Karl IV. Gastrecht und Schutz bei den Bürgern der aufblühenden Städte.

In Böhmen verläuft heute die Autobahn weitgehend auf der Trasse der Goldenen Straße. Natürlich dürfen wir sie uns nicht als Straße im heutigen Sinn vorstellen. Über weite Strecken waren es nur Karrenspuren und das Vorankommem war mühsam. Dennoch blühte der Handel, der vom Kaiser durch Privilegien für Kaufleute in Prag und in Nürnberg gefördert wurde und der den Städten unterwegs durch Pflasterzoll Einnahmen bescherte. Aus Böhmen kam Wolle, Eisen, Holz, Bettfedern, Haushaltswaren, ausgeführt nach Böhmen wurde vor allem Salz, aber auch Getreide, Öl, Seifen, Stoffe und vieles mehr.
Karl ließ die Kaufmannszüge durch Geleit schützen.

Uns interessiert besonders der unterfränkische Abschnitt der Goldenen Straße und dann die Sonderrolle von Heidingsfeld.

Ein gutes Beispiel für die fränkische Entwicklung ist der Ort Mainbernheim.
Kaiser Barbarossa hatte Mainbernheim am 19. April 1172 unter kaiserlichen Schutz gestellt. In nachfolgender Zeit waren die Privilegien verloren gegangen und Mainbernheim war in die Pfandschaft des Hochstifts Würzburg geraten.
1346 wendet sich Mainbernheim an den Landgrafen von Ansbach, mit der Bitte, den König. um die Wiederherstellung der alten Rechte zu bitten.
1367 löst Kaiser Karl IV. Mainbernheim aus der Pfandschaft des Hochstifts.
Die zugehörige Urkunde lautet wie folgt:

Karl von Gottes Gnaden Römischer Kaiser ( die übliche Floskel: zu allen Zeiten Mehrer des Reiches fehlt hier) Böhmischer König bestätigt auf persönliche Bitte des Landgrafen Johann von Luthemberg namens der Bauern (villani) von Bernheim Würzburger Bistums das ihnen verliehene hier inserierte Privileg Kaiser Friedrichs 1171 April 19. Pönformel (Strafe bei Zuwiderhandlung).

Unter Karls IV. Sohn Wenzel erfolgt die Erhebung Mainbernheims zur Stadt. Es bedeutet die Pflicht, den Ort mit einer Mauer zu umgeben und hat weitere Urkunden zur Folge, die einzelne Privilegien und Abgrenzungen zu den Rechten anderer regeln. Das wichtigste Recht ist das Marktrecht, das auch Zolleinnahmen gestattet.
Interessant ist, dass der kleine Ort Mainbernheim (2200 Einw.) bis heute fünf Urkunden aus dieser Zeit selbst in seinem Archiv besitzt. Die Urkunden sind in deutscher Sprache verfasst und teilweise mit Hilfe einer Lupe sogar zu lesen.

Wenn wir heute nach Mainbernheim kommen, finden wir noch Hinweise auf seine Ortsgeschichte. Die Stadtmauer ist erhalten, wenn auch nicht mehr 16 m hoch.
Ein Schild weist auf die Via regia, den Königsweg hin, wie die Goldene Straße westlich von Nürnberg oft heißt und auch der Pflasterzoll wird dokumentiert.

Eine ähnliche Geschichte hat Prichsendorf, das 1367 zur Stadt „Prichsenstadt“ erhoben wurde und für 2017 plant, sein 650. Jubiläum als Stadt zu feiern.
Am 21. Mai 2017 ist ein großer Festumzug geplant.

Goldene StraßeGoldene Straße
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Heidingsfeld

Schon bei der Taufe seines erstgeborenen Sohnes Wenzel 1361 in St. Sebald in Nürnberg verhandelt Karl IV mit Bischof Albrecht über Heidingsfeld.
Von 1363 bis 1367 wird von Urkunde zu Urkunde Heidingsfeld durch Privilegien gefördert. 1367 belehnt Karl IV. seinen Sohn, den kleinen König von Böhmen, mit Heidingsfeld. Die neue Stadt sollte als Station auf Reisen zu Königswahlen in Frankfurt dienen, zu den Gebieten am Rhein und zur Abhaltung von Hoftagen. Es beginnt sofort Anlage von Rathaus und Mauer und damit die Stadtgründung.
Bis heute sind Teile des 2km-langen Mauerrings, Stadttore und Türme erhalten.
Heidingsfeld bekommt die Rechte einer böhmischen Landstadt, Münzrecht und Stadtwappen, das den böhmischen Löwen mit dem geschwungenen Doppelschweif zeigt.
Der Kaiser und der böhmische König halten sich öfter hier auf. ( Aufenthalte sind dokumentiert.
Ein besonderes Ereignis fand im Jahr 1370 statt. Der Kaiser wählte Heidingsfeld zur Abhaltung eines größeren Hoftages. Die Erzbischöfe von Mainz und Prag, die Bischöfe von Bamberg und Würzburg, Olmütz und Speyer, mehrere Herzöge und Grafen versammelten sich um den Kaiser.
Wer von uns den Festzug in Černošice miterlebt hat, kann sich in etwa eine Vorstellung von so einem Ereignis machen.
Bis zu seiner Absetzung als römisch-deutscher König im Jahr 1400 kümmert sich Wenzel IV. um seine Stadt Heidingsfeld und bestätigt ihre Privilegien. Zahlreiche Urkunden sind hier ausgestellt.

Auch Kaiser Sigismund, der Bruder und Nachfolger von Wenzel bestätigt die Privilegien von Heidingsfeld. Allerdings verpfändet er die Stadt 1414 an den Würzburger Bischof .Die komplizierte Rechtslage führt dazu, dass manche böhmische Könige ihre Rechte nicht wahrnehmen, z.B. aber Georg von Podiebrad kümmert sich um die böhmischen Lehen im Reich. (böhmischer König von 1458-1471)

Karl IV. verliert ab 1373 das Interesse an der Goldenen Straße. Er kauft für die ungeheure Summe von 1/2 Millionen Gulden Brandenburg von Otto von Wittelsbach für das Königreich Böhmen. Um das Geld aufzubringen verkauft er zahlreiche Orte auf der Goldenen Straße, wie z.B. Lauf, Iphopfen, Mainbernheim und auch die Oberpfalz (Neuböhmen), die wieder an die Wittelsbacher geht. Sein Interesse gilt von nun ab Brandenburg und da Tangermünde an der Elbe, dessen Burg er reich ausbauen lässt. Die letzten 3 Lebensjahre verbringt er dort als zweitem Regierungssitz und plant eine Handelsverbindung von Prag bis in das Gebiet der Hanse (Hamburg). Sein Tod 1378 verhindert die Durchführung der Pläne.

Katherina Holzheuer

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