IGEP e.V.: Kulturabend am 6.5.2022

Nicht nur Klöße und Bratwurst

Es ist das Verdienst des früheren, 2018 verstorbenen IGEP-Vorsitzenden Peter Thiel, dass unter seiner Regie die „Kulturabende“ des Partnerschaftsvereins ins Leben gerufen wurden. Es ging ihm und seinen Vorstandsmitgliedern darum, die fünf Partnerschaften Gerbrunns nicht nur auf der Ebene gegenseitiger Besuche zu erleben, sondern durch die Beschäftigung mit der Kultur, der Geschichte und den politischen Besonderheiten der verschiedenen Länder ein tieferes Verständnis für die Mentalitäten und politischen Einstellungen der Partnerschaftsfreunde in Frankreich, Polen und Tschechien zu gewinnen.

Die erste überhaupt geschlossene Partnerschaft Gerbrunns war die mit Themar , einer kleinen Stadt im Süden Thüringens, 120 Kilometer von Gerbrunn entfernt. Sie ist ein Kind der deutschen Wiedervereinigung. Wie viele andere Städte und Gemeinden in der Bundesrepublik hat auch Gerbrunn in der auch im Nachhinein berechtigten Euphorie der historisch aufwühlenden Monate 1989 /1990 die Partnerschaft mit Themar gesucht. Sie wurde beiderseits mit hohen Erwartungen geschlossen und hat sich bis in unsere Tage als erfreulich stabil und lebendig erwiesen.

Der IGEP-Kulturabend „Thüringen“ sollte die Besonderheiten dieses Bundeslandes näherbringen. 40 Besucher waren in die Kulturbühne Alte Feuerwehr gekommen, 13 Freunde waren aus Themar angereist. Der Gerbrunner Gemeinderat glänzte bis auf eine Ausnahme durch Abwesenheit.

Von sich sagen die Thüringer: „Unser Freistaat hat jede Menge zu bieten und besteht nicht nur aus Thüringer Klößen und Bratwurst. Thüringen ist Geburts- und Wirkungsstätte großer Dichter, Denker und Sportler. Aus Thüringen stammen die weltberühmten Christbaumkugeln, und auch die Gartenzwerge wurden hier erfunden“ (Reisejournal Thüringen 2022).

Michael Straßburg, 1.Vorsitzender des IGEP, und Sabine Müller, Vertreterin von TTE (Themar trifft Europa) begrüßten die Besucher. Straßburg blickte sodann auf die Geschichte Thüringens: Die hl.Elisabeth, Gräfin im 13 .Jahrhundert auf der Wartburg, wurde vorgestellt. Die frühe Gründung der Universität Erfurt im 14.Jahrhundert wurde erwähnt. Die verheerenden Bauernkriege im 16.Jahrhundert und die Uni Jena als Kristallisationspunkt der Romantik im frühen 19.Jahrhundert wurden genannt. Johann Sebastian Bach in Eisenach, Goethe, Schiller, Herder, Wieland und Liszt wurden in Weimar verortet. Die SPD wurde in Eisenach gegründet, das Bauhaus fand nach Dessau in Weimar hilfreiche Resonanz.

Mit Thüringen verbunden ist der Name des Begründers des „Kindergartens“ (ein deutschen Lehnwort in vielen Sprachen) Ernst Fröbel, Martin Luther lebte zeitweise in Thüringen auf der Wartburg, der Physiker Carl Zeiss begründete den Weltruhm seiner nach ihm benannten Firma in Jena. Die Geschichte Thüringens ist geprägt von einer Vielzahl feudaler Herrschaftsbereiche (Herzöge, Fürsten, Grafen).1920 wurde in Thüringen die „Weimarer Verfassung“ von Reichspräsident Friedrich Ebert unterzeichnet. 1990 erklärte sich Thüringen – wie Bayern – zu einem Freistaat. Seitdem: Wirtschaftlich ist das Land außerordentlich erfolgreich, hat eine geringe Arbeitslosigkeit, ist politisch bisweilen aufregend und dennoch stabil.

Ingelore Köhler stellte mit zahlreichen Lichtbildern berühmte Sehenswürdigkeiten Thüringens vor: Die Wartburg, das Bachhaus in Eisenach, Schloss Friedenstein in Gotha, die Burgen der Drei Gleichen, Erfurt mit seinem Dom , St.Severin und der Krämerbrücke, das Weimarer Schloss und die Anna-Amalie-Bibliothek. Köhler zeigte Kloster Veßra bei Themar, die Ruine Paulinzella, die Schlösser im Saaletal und viele weitere Orte.

Überraschend und ausgesprochen anregend war, was der Themarer Andreas Stapf über die Fachwerk-Architektur Thüringens zu sagen hatte. Sehr kompetent sprach er über Skelett- und Schwellenbauweise, über Ständerbau, Weidengeflecht, Lehmfüllung, Querstreben gegen Verschiebung, Knagge, Zahnschnitt und Andreas-Kreuze- , alles illustriert mit vielen Skizzen und Fotos. Da Thüringen von Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg verschont geblieben ist, kann man in vielen Städten und Dörfern das Fachwerk früherer Jahrhunderte bewundern.

Monika Masur sprach über das Meininger Theater, Wiege des deutschen Regietheaters, und seine einzigartige Schauspieltruppe mit seinen Gastspielreisen in ganz Europa, großzügig gefördert vom „Theaterherzog“ Georg II. Die Hofkapelle wurde dirigiert von Hans von Bülow.

Unterbrochen und bereichert wurden die verschiedenen Beiträge an diesem Zwei-Stunden-Abend durch musikalische und lyrische Vorträge der Freunde aus Themar. Brigitte Ehrenberger trug Mundartgedichte vor, Wolfgang und Annelie Erbach besangen leidenschaftlich die Landschaft und das Leben am Strand der Werra, die durch Themar fließt. Man spürte, die Leute lieben ihre Heimat – und teilen es gern anderen mit.

Zweiter Bürgermeister Reinhard Kies danke im Namen aller „Kulturabend“-Besucher den Freunden aus Themar für ihr Kommen und ihre schönen Beiträge.

Die „Kulturabende“ des IGEP sind spannend und unterhaltsam, ihr Besuch lohnt sich.

Reinhard Kies

Klaus Hemprich erläutert historische KartenKlaus Hemprich erläutert historische Karten

Klaus Hemprich erläutert historische Karten

Andreas Biller verteilt Bratwurstbrötchen, die die Themarer mitgebracht und vor der Kulturbühne gegrillt habenAndreas Biller verteilt Bratwurstbrötchen, die die Themarer mitgebracht und vor der Kulturbühne gegrillt haben

Andreas Biller verteilt Bratwurstbrötchen, die die Themarer mitgebracht und vor der Kulturbühne gegrillt haben



Annelie und Wolfgang Erbach (Themar) besingen den WerrastrandAnnelie und Wolfgang Erbach (Themar) besingen den Werrastrand
Annelie und Wolfgang Erbach (Themar) besingen den Werrastrand
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